Psychotraumatologie-Integrative Traumatherapie (GPTG)

Arbeit mit LSBTIQ* Geflüchteten und Migrant*innen

Umfang der Ausbildung

Psychotraumatologie-Integrative Traumatherapie (GPTG) Arbeit mit LSBTIQ* Geflüchteten und Migrant*innen 8 Module Umfang der Ausbildung Das „Curriculum Psychotraumatologie-Integrative Traumatherapie“ orientiert sich an den Empfehlungen der Fachgesellschaften GPTG und DeGPT und ist hinsichtlich der Methoden integrativ. Es versucht primär die mangelhafte Versorgung traumatisierter Menschen zu verbessern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch in der Beratung und Versorgung von traumatisierten LSBTIQ* Geflüchteten und Migrant*innen.

Ziel der Weiterbildung ist möglichst viele therapeutisch und beratend tätige Berufsgruppen zu erreichen. Dazu werden alle psychotherapeutischen Beratungsansätze einbezogen und berücksichtigt, die zur Verbesserung der Qualität der Versorgung beitragen können.

Um den Qualitätsstandard zu unterstützen, sind alle Kriterien und Formulierungen an die Curricula Psychotraumatherapie und Traumafachberatung der (DeGPT) und GPTG angelehnt. Wie für die Zertifizierung von Fortbildungen bei Ärzt*innen und Psychotherapeut*innenkammern müssen die Fortbildungsinhalte dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen und frei von wirtschaftlichen Interessen sein. Das vorliegende Curriculum wird regelmäßig aktualisiert, um dem schnellen Fortschritt der wissenschaftlichen Entwicklung auf dem Arbeitsfeld der Traumatherapie Rechnung zu tragen.

Der Umfang beträgt 8 Module, mindestens ca. 140 UE, davon 110 UE Theorie und Praxisübungen, 10 UE Selbsterfahrung, 18 SE Supervision (einzeln oder in der Gruppe) und 2 SE Abschlussgespräch.

Jedes Modul dauert immer zwei Tage

Hauptziele der Ausbildung sind

  • der Erwerb von theoretischen und praktischen Kenntnissen für die therapeutische Arbeit und Beratung mit Menschen, die unter akuter und/oder posttraumatischer Belastungsstörung leiden, besonders auch in der Arbeit mit LSBTIQ* Geflüchteten und Migrant*innen,
  • das Erkennen destruktiver und kreativer Facetten in der Beziehungsgestal-tung traumatisierter Menschen, um diese in der Therapie zu bearbeiten bzw. nutzen zu können,
  • die Arbeit mit multipel und über längere Zeit traumatisierten Menschen bzw. Menschen, deren traumatische Erfahrung schon lange Zeit zurück liegt,
  • Erweiterung und Differenzierung des eigenen therapeutischen Stils.

 

Alle Inhalte und die vermittelten Methoden, berücksichtigen die bisherigen Erfahrungen in der therapeutischen Arbeit mit LSBTIQ* Menschen, und dessen besonderen Vulnerabilität in der PTBS Diagnostik und Beratungsmöglichkeiten

Wichtiges zur Ausbildungsreihe

  • Eigenständiges Literaturstudium (Literaturliste über diesen Link).
  • Je nach Vorqualifikation Abschluss als Trauma-Fachberater*in oder TraumaTherapeut*in (GPTG und DeGPT) möglich.
  • Zielgruppen sind: Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen, und auch Berater*innen die vor Ort mit traumatisierten Geflüchteten und Migrant*innen arbeiten. Voraussetzung ist eine Therapeutische Ausbildung, die Approbation, sowie andere mit staatlicher Zulassung zur Ausübung der Psychotherapie mit einer abgeschlossenen psychotherapeutischen Grundausbildung im Umfang von mindestens 800 Stunden inklusive mindestens 100
    Stunden Selbsterfahrung, sowie anschließenden 3 Jahren praktischer Erfahrung in psychotherapeutischer bzw. Beratungstätigkeit. Oder: Europazertifikat Psychotherapie (ECP). Für den Abschluss „Traumafachberater*in“, gelten abweichende Voraussetzungen. Ausnahmen sind in Absprache mit der Leitung des Curriculums möglich. Weitere Einzelheiten im Vorgespräch mit der Leitung der Ausbildung.
Seminarleitung
Dozentin
Pädagogisch-organisatorische Leitung
Weitere Informationen

Ausbildungsmodule

Modul 1

  • Geschichte und Definition des Traumas anhand der neuesten diagnostischen Leitlinien-ICD 11 und DSM V
  • Theoretische Grundlagen der Psychotraumatologie, Definitionen und Konzepte psychischer Traumatisierung (medizinisch und gesellschaftlich), Neurobiologie, Gedächtnisprozesse, Störungs- und Behandlungsmodelle
  • Epidemiologie von Traumatisierungen, Traumafolgestörungen und häufigen komorbiden Störungsbildern
  • Besonderer Schwerpunkt auf die Arbeit mit LSBTIQ* Geflüchteten und Migrant*innen
  • Interkulturelle Arbeit, Recht und Beratung
  • Die Bedeutung der besonderen Vulnerabilität von queeren Menschen in der PTBS Diagnostik

Modul 2

  • Psychodiagnostik und Differentialdiagnostik von Traumafolgestörungen
  • Durchführung von Erstgesprächen und Psychoedukation
  • Aufbau der therapeutischen Beziehung
  • Die Rolle der transkulturellen psychiatrischen Diagnostik und die Besonderheiten von LSBTIQ* Klient*innen
  • Aktivierung sozialer Ressourcen
  • Atem- und Entspannungstechniken
  • Differenzierter Umgang mit den Symptomen
  • Sicherheit wahrnehmen und ihre Bedingungen explorieren
  • Verbesserung der Selbstwahrnehmung und der Selbstakzeptanz
  • Eigene Grenzen aktivieren und aufrechterhalten

Modul 3

  • Techniken zur Ressourcenaktivierung und Förderung der Affektregulation
  • Techniken der Konfrontation
  • Hypnotherapeutisch-imaginative Techniken zur Distanzierung und Ressourcenaktivierung (z.B. Imaginationsübungen, Screentechniken)
  • Erstellen von Notfallplänen z.B., ein Notfallkoffer und Ressourcenlisten
  • Notfallpsychologie und Krisenintervention, Narrative Exposition, Integration der traumatischen Erfahrung

Modul 4

  • Konfrontative Behandlung akute Traumastörungen
  • Kognitive Traumatherapie, Expositionsverfahren. Selbstprozesse und Traumaerfahrungen der Thera-peut*innen/ Berater*innen
  • Umgang mit Grenzen: funktionale und dysfunktionale kognitive und emotionale Prozesse in der posttraumatischen Entwicklung
  • Gesprächsführung in der akuten Situation
  • Gestaltung des Gesprächs mit traumatisierten LSBTIQ* Klient*innen
  • Die Rolle der Sprachmittlung in der Interkulturellen Arbeit
  • Unterstützung natürlicher Verarbeitungsprozesse, Einbeziehung von Angehörigen und des psychosozialen Umfelds, Umgang mit akuten Symptomen wie Dissoziation, Angstreaktionen, Suizidalität und Substanzmissbrauch
  • Indikation und Kontraindikation von konfrontativen Behandlungstechniken in den ersten 4 Wochen nach akuter Traumatisierung (Evidenzbasis, Darstellung der Vorgehensweisen, Information zum Stand der Wirksamkeit verschiedener Verfahren)

Modul 5

  • Behandlung komplexer Traumafolge-störungen
  • Flucht und Migration und dadurch entstandene Belastungen von queeren Menschen
  • Schwerpunkt auf dissoziative Phänomene
  • Einsatz antidissoziativer Skills. Komplexe PTBS
  • Therapeutische Haltung
  • Umgang mit Wut, Trauer, Scham und Aggression
  • Sexualisierte Gewalt und wiederholte, prolongierte Traumatisierung. Therapieplanung bei Komorbidität (z.B. Suchterkrankung, Angststörung, PS)

Modul 6

  • Kultursensible Traumatherapie mit LSBTIQ* Geflüchteten und Migrant*innen
  • Die Rolle der Kultur-SprachmittlungMSelbsterfahrung, Selbstfürsorge und Psychohygiene für Berater*innen und Therapeut*innen
  • Selbstdiagnose von sekundärer Traumatisierung und Burnout
  • Möglichkeiten zum Bearbeiten von Belastungstriggern
  • Selbsterfahrung in Kleingruppenarbeit mit Hilfe der erlernten Methoden

Modul 7

  • Methoden der kognitiv-behaviorale Traumatherapie und der DBT – Dialogisch- Behaviorale Traumtherapie als zusätzliche Methode
  • Skills und psychoimaginative Techniken
  • Gruppensupervision
  • Psychohygiene und die eigene Prophylaxe
  • Die Rolle der sekundären Traumatisierung für Therapeut*innen und Berater*innen

Modul 8

  • Gruppensupervision und Abschlussgespräch
  • Kollegiales fallbezogenes Gespräch über mindestens zwei Fälle einschließlich Psychodiagnostik, das kurz protokolliert wird
  • Vor dem Abschlussgespräch müssen insgesamt sechs supervidierte und dokumentierte Behandlungsfälle (Kurzfassung) mit unterschiedlichen Störungsbildern (Vollbild PTBS, komplexe Traumatisierung u. a. nach Kindheitstrauma – mind. 50 Behandlungsstunden, und – wenn möglich – Akuttraumatisierung) eingereicht werden